Jahresprogramm der C. G. Jung Gesellschaft Bodensee

Angst - Hoffnung – Mut

 „Unsere größten Ängste sind die Drachen, die unsere tiefsten Schätze bewahren“
Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Leben wir in einem „neuen Zeitalter der Angst“, wie es der US- amerikanische Historiker und Holocaust Überlebende Fritz Stern in einem der letzten Interviews vor seinem Tod äußerte? Die täglichen Nachrichten konfrontieren uns mit Meldungen über Terror, Kriminalität, drohender Klimakatastrophen und schreckliche Bilder offenbaren das Grauen der Kriege, auch in Europa.

Das Wort Angst wurzelt im lateinischen „angustiae“, im mittelhochdeutschen „angest“: und bedeutet „Enge“. Angst treibt in die Enge, sperrt ein, verhindert die Freiheit und den Blick in die Zukunft. Wer Angst hat, ist fügsam, erpressbar, traut sich nichts. So wird die Angst auch zu einem Machtmittel. In Angst verkümmert das Leben, wird zum bloßen Überleben. Angst gefährdet die Demokratie. In seiner Abschiedsrede mahnt der scheidende US-Präsident Barack Obama: „Demokratie kann zerbrechen, wenn wir Angst haben“.

„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ formuliert Friedrich Hölderlin in lyrischer Sprache in der Hymne Patmos. Die Hoffnung ist dieses Rettende. Hoffnung: von niederdeutsch „hoppen“ bedeutet „in die Ferne, in die Zukunft sehen“ mit Vertrauen auf einen tiefen Sinn. Damit gibt sie Orientierung und ist die Quelle des Muts. Wer hofft, handelt mutig, entschlossen und lässt sich nicht beirren.

 „Wer hofft, dem erscheint die Welt in einem anderen Licht.
Sie erhält durch die Hoffnung einen besonderen Glanz. Sie erhellt die Welt.“ 
(Byung-Chul Han)

Psychologie:
„Im Menschen ist die ganze Macht des finsteren Prinzips und in ebendemselben zugleich die ganze Macht des Lichts. In ihm ist der tiefe Abgrund und der höchste Himmel, oder beide Zentren“: Aus der Sicht der Philosophie der Romantik, die auf das Denken von C. G. Jung einen prägenden Einfluss hatte, formulierte Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Philosoph und Theoretiker der sogenannten romantischen Medizin als einer der ersten eine Konzeption des Unbewussten, das für ihn religiösen Charakter hat.

Dieser Aspekt findet sich auch in Jungs Verständnis der „objektiven Psyche“ dem „kollektiven Unbewussten“. Er schreibt ihr „numinosen“ Charakter zu und beschreibt damit den Schauder und die gleichzeitige Faszination, die unmittelbare religiöse Erfahrungen begleiten. Für Jung ist die Angst des Menschen: „…das Entsetzen und die Angst, die einen ergreifen, wenn man sich unbewussten Inhalten annähert.“ Dennoch wurzeln in eben jenen Seelensphären die schöpferischen Kräfte, die tiefe Sinnerlebnisse ermöglichen.

Theologie:
„Dass man in der Welt Vertrauen haben und dass man für die Welt hoffen darf, ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien „die frohe Botschaft“ verkünden:

„Uns ist ein Kind geboren“ bekennt die jüdische Philosophin Hanna Arndt in ihrem Werk „Vita activa oder vom tätigen Leben“. Im universalen Symbol des Göttlichen Kindes wird all das ausgedrückt, was Hoffnung meint: die vertrauensvolle Zugewandtheit zum Leben, die Bereitschaft zum Tätigsein, der Mut zum Wagnis. Menschen können handeln weil sie hoffen. Die Hoffnung weist über den Menschen hinaus. Die christliche Hoffnung richtet sich aus auf die Zusage Gottes an den Menschen: „Siehe, nun mache ich etwas Neues.“ (Offb 21,5) „Die christliche Hoffnung regt zum Handeln an, sie ist nicht „weltflüchtig„, sondern „zukunftstüchtig„, in der Hoffnung lebt die Entschlossenheit zum Handeln.“, so der Philosoph Byung-Chul Han.

Psychologie der Märchen:
„In Mythen und Märchen wie im Traum sagt die Seele über sich selbst aus, und die Archetypen offenbaren sich in ihrem natürlichen Zusammenspiel, als ‚Gestaltung, Umgestaltung, des ewigen Sinnes ewige Unterhaltung‘.“

C. G. Jung: (GW 9/1,§400) Zum Wesen der Märchen, dieser Erzählungen wunderbarer Geschehnisse, gehört es, dass sie die Menschen tief in ihrem Gemüt berühren. Erzähler und Zuhörer sind gleichermassen ergriffen, fasziniert oder wie von einem Schauder berührt. Dieses Erschrecken erfasst ihn in der Tiefe, er spürt, dass ihn das Geschehen unmittelbar angeht, ihm graut, es läuft ihm kalt über den Rücken. Dieses Grauen oder Gruseln wird durch die Begegnung mit dem tief Seelischen ausgelöst. Es ist Ursprung der Angst und zugleich Quelle tiefer Erfahrung.

Im Märchen von „Von einem der auszog das Gruseln zu lernen“ lassen uns die Gebrüder Grimm an dieser tiefen Erfahrung teilhaben.

erläutert von Dr. Elisabeth Kauder

Jahresprogramm 2026

„Der archetypische Hintergrund der Angst“
Kategorie: Vortrag, Diskussion

Termin: Donnerstag, 12.03.26, 19h00
Ort: Wolkensteinsaal, Kulturzentrum Konstanz
Abendkasse: 12€ / im Abonnement 10€ / Mitglieder der C. G. Jung Gesellschaft Bodensee frei / Ermäßigung möglich
Info & Anmeldung: info@jung-bodensee.de

„LEBEN NACH OSTERN Über Angst, Hoffnung, Mut“
Kategorie: Vortrag, Diskussion

Termin: Donnerstag, 23.04.26, 19h00
Ort: Wolkensteinsaal, Kulturzentrum Konstanz
Abendkasse: 12€ / im Abonnement 10€ / Mitglieder der C. G. Jung Gesellschaft Bodensee frei / Ermäßigung möglich
Info & Anmeldung: info@jung-bodensee.de

Rainer Maria Rilkes Religionskritik: Von Gottesangst zu Gottesliebe
Kategorie: Vortrag, Diskussion

Termin: verlegt, Termin wird bekannt gegeben
Ort: Wolkensteinsaal, Kulturzentrum Konstanz
Abendkasse: 12€ / im Abonnement 10€ / Mitglieder der C. G. Jung Gesellschaft Bodensee frei / Ermäßigung möglich
Info & Anmeldung: info@jung-bodensee.de

Die fünf Geister
Märchen von Angst, Mut und Hoffnung

Kategorie: Vortrag, Diskussion

Termin: Donnerstag, 24.09.26, 19h00
Ort: Wolkensteinsaal, Kulturzentrum Konstanz
Abendkasse: 12€ / im Abonnement 10€ / Mitglieder der C. G. Jung Gesellschaft Bodensee frei / Ermäßigung möglich
Info & Anmeldung: info@jung-bodensee.de

Viele Märchen erzählen von Krisen, oft auch von solch existentiellen Bedrohungen, die verständlicherweise Angst machen. Die Heldinnen und Helden begegnen ihnen aber mit Mut, Hoffnung und oft auch Einfallsreichtum, so dass zuletzt doch noch ein gutes Ende möglich wird. Damit können diese Geschichten auch uns Mut und Hoffnung vermitteln und dabei helfen, die bedrohlichen Schwierigkeiten und Krisen unseres Alltags trotz der damit verbundenen Angst zu bewältigen.

Die Künstliche Intelligenz – Die vierte Kränkung für den Menschen
Kategorie: Vortrag, Diskussion

„Da packte ihn der Wahnsinn mit glühenden Krallen und fuhr in sein Inneres hinein Sinn und Gedanken zerreißend.“ So beschreibt E.T.A. Hoffmann in seiner Erzählung „Der Sandmann“, in der Sprache der Romantik, die seelische Wirkung, welche die Erkenntnis, dass seine geliebte Olimpia nur eine Puppe ist, auf Nathanael, den Helden der Geschichte hatte. Tiefe Gefühle hatte er für ein Wesen verspürt, das sich als Maschine entpuppte, und sieht sich plötzlich getäuscht, verraten. Hat der Dichter in seiner seelischen Tiefenschau geahnt, vorweggenommen, was Menschen heutzutage im Umgang mit der Künstlichen Intelligenz widerfahren kann?

Zunächst erschien die Künstliche Intelligenz als ein riesiges Reservoir an Wissen. Sie hält eine unermessliche Fülle an Daten und Fakten bereit, mehr, als ein Mensch je wissen kann. Die weitere Entwicklung führte dazu, dass sie auch menschenähnlich schreiben, ja sogar sprechen kann. Mit Hilfe ihrer fast gigantischen Datenspeicher wird sie in Medizin und Gerichtsbarkeit genutzt. Mit ihrer Fähigkeit, Muster zu erkennen, ist es ihr möglich, die emotionale Gefühlslage von Menschen zu erfassen, aber kann sie wirklich fühlen, mitfühlen? Sind „Gespräche“ mit ihr wirkliche Gespräche? Haben sie ein echtes Gegenüber? Dass sich Menschen in den KI- Chatbot verlieben, ist bekannt, hat sogar in der Literatur Niederschlag gefunden. Die KI hat sogar Einzug in die Psychotherapie gehalten. Wird sie den Menschen, der sie schuf, überflügeln? Kann sie für ihn unkontrollierbar werden?
E.T.A Hoffmann schreibt: „Mir sind alle solche Figuren, die dem Menschen nicht sowohl nachgebildet sind, als das Menschliche nachäffen, diese wahren Standbilder eines lebendigen Todes oder eines toten Lebens, im höchsten Grade zuwider.“
(E.T.A.Hoffmann: „Erzählungen, Märchen und Schriften: Die Automaten“)

Prof. Safranski hat sich in seinem neuen Buch:
„Die vierte Kränkung. Menschlicher Geist im Schatten der Künstlichen Intelligenz“ auf dem Hintergrund der Philosophie und des Humanismus tiefgründend und Horizont erweiternd beschäftigt. Wir freuen uns, dass er uns an seinen Gedanken teilhaben lässt.

Termin: Freitag, 13.11.26, 19h00
Ort: Wolkensteinsaal, Kulturzentrum Konstanz
Abendkasse: 15€ / Mitglieder der C. G. Jung Gesellschaft Bodensee frei / Ermäßigung möglich
Info & Anmeldung: info@jung-bodensee.de

Eine Einführung in die Traumanalyse / Leitung: Karin Linnander, Psychologin M.A.

„Der Traum ist die kleine verborgene Tür zum Innersten und Intimsten der Seele …“ C.G. Jung

Dieses Seminar richtet sich an alle, die träumen oder das Träumen lernen möchten. Ich zeige Methoden, um sich an Träume zu erinnern und sie aufzuschreiben. Wir deuten die Träume nicht in einem therapeutischen Kontext. Außerhalb einer therapeutischen Begleitung muss die Deutung keine ernste Arbeit sein, eher ein kreatives Spiel mit Lebensmöglichkeiten. Mit ein bisschen Übung, sagt Jung, ist es für jeden möglich, seine Träume lesen zu lernen.

Träume sind das Sprachrohr des Unbewussten und bieten wertvolle Hinweise zur Selbsterkenntnis. Sie machen uns auf vernachlässigte Aspekte unserer Persönlichkeit, die gelebt werden möchten. aufmerksam. Auf solche Versäumnisse können uns Träume hinweisen und uns ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Durch das Teilen unserer Träume inspirieren wir uns gegenseitig und vertiefen unser Verständnis der Symbolsprache.

Wir lernen, wie Bilder in Träumen mit Hilfe der Jung’- schen Traumdeutung verstanden werden können. Ihr erhaltet Einblicke in Jungs Konzept des Unbewussten sowie die Bedeutung von Symbolen und Archetypen. Wir besprechen Traumbeispiele mit Hilfe von Schlüsselfragen und erkunden spannende Methoden. Träume sind so vielfältig wie das Leben und zeigen je nach Blickwinkel verschiedene Facetten unserer Innenwelt Abschließend fragen wir: Wozu dient dieser Traum, was will er mir sagen? Eine besondere Erfahrung wird die Trommelreise zu unseren „Tierverbündeten“ sein. Diese „Medizingaben“ werden wir symbolisch deuten und hoffentlich in unser Leben integrieren. Bringt bitte eure Träume mit!

Karin Linnander ist Psychologin mit einem Masterabschluss aus den USA und verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung. Als autorisierte Lehrerin und Zeremonienmeisterin auf dem Sweet Medicine Sundance Path verkörpert sie einen schamanischen Weg zur Selbstheilung und -entwicklung, der in Phoenix, Arizona, angesiedelt ist. Zusätzlich absolvierte sie in Küsnacht, in der Schweiz am C.G. Jung Institut eine Grundausbildung in der Analytischen Psychologie, mit Schwerpunkt Traumarbeit.

Informationen und Anmeldung: info@jung-bodensee.de
Wo: Konstanz, Obere Laube
Kursgebühr: 150€ / max. 8 TeilnehmerInnen
Wann: 2 Termine/Jahr: Juli & Oktober. Einzeln buchbar.

Samstag, 25.07. – Sonntag, 26.07.2026
Samstag von 10:00 bis 18:00 Uhr
(inkl. Mittagspause, ohne Verpflegung)
20:00 bis 21:30 Uhr: Abendliche Tierreise
Sonntag von 10:00 bis 13:00 Uhr

Samstag, 24.10. – Sonntag, 25.10.2026
Samstag von 10:00 bis 18:00 Uhr
(inkl. Mittagspause, ohne Verpflegung)
20:00 bis 21:30 Uhr: Abendliche Tierreise
Sonntag von 10:00 bis 13:00 Uhr

C. G. Jung-Gesellschaft Bodensee e.V.

Brauneggerstraße 34a

74862 Konstanz

Info@jung-bodensee.de

www.jungbodensee.de